Fazit:
Vom Literatur-Nobelpreisträger 1999. Als Weihnachtsgeschenk
Nummer Eins zur Jahrtausendwende!? |
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Außerdem erschienen als:
Taschenbuchausgabe
(10,00 EUR)
12
CDs - Autorenlesung
(100,00 EUR)
2
CDs, Teil 1: 1900-1918
(18,00 EUR)
2
CDs, Teil 2: 1919-1938
(18,00 EUR)
2
CDs, Teil 3: 1939-1956
(18,00 EUR)
2
CDs, Teil 4: 1957-1971
(18,00 EUR)
2
CDs, Teil 5: 1972-1986
(18,00 EUR)
2
CDs, Teil 6: 1987-1999
(18,00 EUR)
2
Cassetten, Teil 1: 1900-1918
(18,00 EUR)
2
Cassetten, Teil 2: 1919-1938
(18,00 EUR)
2
Cassetten, Teil 3: 1939-1956
(18,00 EUR)
2
Cassetten, Teil 4: 1957-1971
(18,00 EUR)
2
Cassetten, Teil 5: 1972-1986
(18,00 EUR)
2
Cassetten, Teil 6: 1987-1999
(18,00 EUR)
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Redet hier das Jahrhundert selbst? Je mehr man blättert, desto
stärker wird die Sogwirkung. Ein schweres Buch. Aber auch wieder
sehr leicht. Aber doch wieder so schwer, daß es am liebsten
an einem Stehpult gelesen werden möchte. Wie seltsam. Wie schön.
Günter Grass schlüpft in Rollen. Behutsam werden wir von ihm
durch das zu Ende gehende Jahrhundert geführt, Grass zeichnet
es nach - Jahr für Jahr - ein Aquarell, eine Geschichte.
Nicht die Großereignisse liegen ihm am Herzen. Es sind die Nebenschauplätze,
die er aufspürt, oft scheinbar Unwesentliches, das bei näherer
Betrachtung aber schlagartig zur Erhellung des Ganzen beiträgt.
Es sind die Sabotagegedanken eines verzweifelten Bordmechanikers
während des demütigenden Fluges zur Übergabe des Luftschiffs
LZ126 als Reparationszahlung an die Amerikaner 1924. Das Essay
über die ideologische Bredouille des linken Lehrerehepaars,
dessen Anzeige bei der Polizei 1972 zur Verhaftung Ulrike Meinhofs
führte, ist eines der beklemmendsten und feinstbeobachteten
in diesem Buch.
Über die furchtbaren Weltkriegsjahre 1914-1918 schwadronieren
im edlen Züricher Café die Autoren Remarque und Jünger im Beisein
einer jungen Schweizerin. Schnell gerät man sich in die Haare
über Stahlhelmqualitäten und Feinheiten des Gaskrieges an der
Westfront. Grass läßt das Gespräch Mitte der 60er Jahre stattfinden
und plötzlich wird bedrückend klar, wo die Herren noch immer
zu Hause sind und es wohl auf immer und ewig sein werden. Die
Episode nimmt eine wahrhaft schaurige Wendung, als die junge
Eidgenossin in einem kleinen Nebensatz zu erkennen gibt, dieses
Gespräch im Rahmen einer Forschungsarbeit für eine der größten
Schweizer Waffenschmieden zu führen.
Die Geschichten wollen nicht enden. Es gäbe noch so viel zu
erzählen. Von Jankele, dem jüdischen Glaser, der das Panzerglas
für Eichmanns Zelle anfertigte und nun im Gerichtssaal über
seine getötete Familie reflektiert, und, und, und.
Gegen Ende schlüpft Grass gar noch in Birgit Breuels Kleider.
Er konnte nicht anders. Sein Lieblingshaßobjekt. In einer wunderbar
entlarvenden Rechtfertigungssuada läßt er die Treuhanddame lamentieren
über jenen deutschen Großdichter, der sich erdreistet, sie in
seinem geplanten Roman mit der Figur eines anderen Großen, Fontane,
zu vergleichen. "Nur weil eine gewisse Frau Jenny Treibel es
genau wie ich verstanden hat, das Geschäftliche mit der Poesie
zu verbinden. Aber sollte dennoch alles schiefgehen, man hat
ja noch den Familienbesitz mit Elbblick!" Dazu Grass´ aquarellierte
Hand, aus der Menschlein wie geknickte Streichhölzer rieseln.
Getroffen!
Vielleicht läßt der eine oder andere Käufer ja diesmal seine
obligate Geschenkidee, "Unser Jahrhundert im Bild" auf dem Wühltisch
am Kaufhauseingang liegen. Mein Jahrhundert ist ebenso reich
an Bildern, keine Königshochzeiten zwar, aber Geschichten und
Aquarelle von einer Kraft, die jeden halbwegs sensiblen Leser
so schnell nicht mehr losläßt
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