Fazit:
Dieses Buch gehört mit "Garp", "Hotel New Hampshire"
und "Zirkuskind" zu den besten Büchern John Irvings
- das allein ist schon Empfehlung genug. |
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John Irving schafft es auf unnachahmliche Weise wieder einmal,
seine etwas schrulligen und doch herzerfrischend sympathischen
Charaktere dem Leser ein tiefergehenderes, wichtiges Anliegen
vermitteln zu lassen, ohne dabei zu moralisieren.
In "The Cider House Rules" (Originaltitel) geht es darum, "sich
nützlich zu machen", seinem Leben einen Sinn zu geben.
Und auch mal Regeln brechen zu können.
Das Thema Abtreibung, das nur kontrovers diskutiert werden kann,
wird hier sensibel besprochen, ohne langweilig oder theoretisch
zu werden - der Humor kommt dabei auch nicht zu kurz.
Das Wichtigste am Romanschreiben sei das Erfinden, sodaß
es wie immer auch eine komische, sich über 100 Seiten erstrekende
Szenerie, gibt.
Bei Owen Meany z.B. ist es das Weihnachtsspiel; hier ist es
die Verschickung der toten Frau, der auf ihrer Zugreise durch
die Nacht Ärzte und Bahnhofsvorsteher verzweifelt hinterherturnen.
Höchster Lesegenuß!
John Irving schafft es auch in diesem Roman erneut, die beträchtliche
Anzahl der Seiten vergessen zu machen und in die eigene Welt
seiner Romanfiguren abzutauchen, die er so fesselnd aufbaut.
Der mutige Arzt Dr. Larch wird in seiner Tätigkeit als Waisenhausdirektor,
Geburtshelfer und illegaler Abtreiber im Maine des Jahrhundertbeginns
vorgestellt, der einem schnell durch seine humanistischen Ideale
und Eigenheiten sympathisch wird.
Larch entwickelt eine Vaterbeziehung zu der Waise Homer Wells,
der im folgenden Hauptperson des Romans wird. Homer findet seinen
eigenen Lebensweg erst über einige Umwege, in denen er u.a.
zwischen den Ansprüchen der ausgeprägten Persönlichkeit Dr.
Larchs seine eigenen Ideen vergißt.
Die Charaktere sind typisch Irving: weder fehlen seine geliebten
Krankenschwestern, noch der obligate Schriftsteller oder ein
Lesbenpaar (siehe "GARP").
Das Buch erfüllt alle notwendigen Kriterien eines Irving-Romans,
wie Sex, Gewalt, Humor, Schicksal, turbulent verworrene Handlungsstränge
und epische Länge beweisen - wobei hier die sympathischen Charaktere
hervorstechen und anders als in typischen Werken Irvings auch
viele emotionale Erlebnisse zum Nachdenken anregen.
(Copyright © 1999 -
2002 lesewelt.de)
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